Titel

Thomas Wilcocks

THOMÆ WILCOCKS

Köstlicher
Honig-Tropfen
aus dem
Felsen Christo:

Oder,
Ein kurzes Wort der Ermahnung
an alle
Heilige und Sünder.

Aus dem Englischen, nach der Vierzigsten Londner Auflage überseßt.

Leipzig und Ebersdorf,
in Commißion bei Gerhard Ehrenfried Vollrath,
1758.

Inhalt

Vorbericht des Uberseßers.
Vorrede des Autoris.

§. 1. §. 2. §. 3. §. 4. §. 5.
§. 6. §. 7. §. 8. §. 9. §. 10.
§. 11. §. 12. §. 13. §. 14. §. 15.
§. 16. §. 17. §. 18. §. 19. §. 20.
§. 21. §. 22. §. 23. §. 24. §. 25.
§. 26. §. 27. §. 28. §. 29. §. 30.
§. 31. §. 32. §. 33. §. 34. §. 35.
§. 36. §. 37. §. 38. §. 39. §. 40.
§. 41. §. 42. §. 43. §. 44. §. 45.
§. 46. §. 47. §. 48. §. 49. §. 50.
§. 51. §. 52. §. 53.

Vorbericht des Uberseßers.

ES sind diese wenige blätter voll göttlicher wahrheit des Evangelii von JEsu Christo und dessen Verdienst und Gerechtigkeit, welche der Autor derselben, aus erfahrung mit vollem herzen und munde ausgesprochen hat. Was für eine gute aufnahme sie in ganz England und Irrland gefunden haben, das beweisen die häuffigen auflagen derselben, die in London, Dublin und andern orten mehr, in allerlen format gemacht worden sind. Ich habe diese uberseßung nach der vierzigsten Londner herausgabe gefertiget, und sie ist nicht die neueste. Sie führet folgenden titul: A Choice Drop of Honey from the Rock Christ: or, a short Word of Advice to all Saints and Sinners. London: printed for Iohn Marshall.

Es wäre doch schade, wenn man nicht einen versuch machte, ob es teutschenlesern, welche nach der lautern milch des Evangelii begierig sind, nicht eben so angenehin und gesegnet sehn möchte. Ich habe nicht erfahren können, daß es jemals wäre überseßt worden. Ich vermuthe, man habe diese wenige blätter entweder vor zu gering und zu schlecht geschrieben, oder ihren innhalt vor alte und zu bekante lehren gehalten, die ein evangelischer Christ in teutschen büchern sinden könne. Allein ich glaube, sie enthalten solche alte wahrheiten, die in unsern tagen wo nicht bei nahe vergessen, doch durch eine menge neuer und schädlicher zusäße verdunkelt und verstellet worden sind, und daher widerspruch finden. Diese solten nothwendig wieder hervorgesucht, und so nachdrüklich und fren als es dieser mann gethan hat, von neuem behauptet werden. Ich hoffe also dis wort der ermahnung werde als ein wort zu rechter zeitgeredet, unter uns teutschen mit nutzen wiederhohlet werden können. Das hat mich bewogen es zu überseßen.

Thomas Wilcoks ist zu seiner zeit weder ein im grossen ansehen gestandener gelehrter mann, noch ein lehrer des ißigen jahrhunderts gewesen. Allen umständen nach hat er mit dem unter uns teutschen durch seine schriften so beliebt gewordenen Johann Bunian zu Einer zeit gelebt, und ist auch mit demselben von Einer religions-parthen in England gewesen. Mir liegt übrigens nicht viel dran, wer er gewesen sei; aber desto mehr, was er gesagt habe. Denn das beweiset, daß er ein von GOtt gelehrter mann gewesen, der Christum und sein Blut und Gerechtigkeit für sein Ein und Alles gehalten, und diesem alleinigen Seligmacher aller Heiligen und Sünder, seiner frehen gnade und unserer rechtfertigung, durchaus gar nichts habe an die seite geseßt wissen wollen. Seine ermahnung an dieselben ist mit einer so starken und hinreissenden bewegung seines eigenen herzens geschrieben, daß sie nicht nur hin und her schwer zu verstehen ist, sondern daß es auch schwer fällt, Seinen affect im teutschen ganz auszudrükken.

Ich bin inzwischen den schönen gedanken des Autoris treulich gefolget, und hoffe der Ur-schrift so nahe gekommen zu sein, als es in der teutschen sprache möglich gewesen, und es ohne undeutlich zu werden, hat geschehen können. So viel habe nöthig erachtet im voraus zu melden.

Schlüßlich wünsche von herzen, daß einem jeden der diese blätter lesen wird, Christus alles und in allen werden, sein, und bleiben möge.

Vorrede des Autoris.

Christlicher Leser.

ICh werde zu dieser leßten zeit gewahr, daß die liebe des HErrn mit ihren anmuthigen stralen einiger massen in mein herz scheint, meine triebe brünstig macht, und meine seele entzündet: nicht nur einen so grossen liebhaber, wie mein Heiland ist, dessen liebe alles wissen übersteigt Eph. 3, 19. in herzens-andacht ein geistliches Echo zu geben; sondern auch alle von oben geborne kinder Zions mit liebe zu umfassen, und ihnen gutes zu wünschen; um soviel mehr, da ich in dieser leßten zeit viele arme, herumgetriebene seelen antreffe, die sich leicht hinreissen lassen von allerlei wind der lehre, durch schalkheit der menschen und teuscheren, damit sie dieselben erschleichen zu verführen. Eph. 4, 14.

Es wird auch so viel falscher grund gelegt, worauf man mit vieler vergeblichen arbeit zu bauen suchet. Weil die menschen nicht rechtschaffen sind in der liebe, noch wachsen in allen stükken an dem, der das Haupt ist, Christus; Eph. 4, 15. so hat gar kein wachsthum in Christo statt. Ausser der vereinigung mit Ihm, ist alles was wir thun, verflucht.

Geliebter Leser! Du wirst also im folgenden tractätgen, wenn es dem HErrn gefällt, das lesen desselben an dir zu segnen, gleichsam eine sanfte stimme dir nachruffen und sagen hören: ``das ist der weg, den solst du gehen, und sonst weder zur rechten noch zur linken.'' Denn der weg, der zu dem anmuthigen pfade der rechtfertigung der seelen vor GOtt führet, bestehet in und durch die gerechtigkeit JEsu Christi. Denn alle unsere eigene gerechtigkeit ist wie ein unflätiger lumpen; weil ein jeder darauf schwören soll, daß im Herrn aller same Israel gerecht werde, und sich Sein rühme. Jes. 45, 24. 25.

Nichts als das sterben des Einigen Gerechten für uns ungerechte muß uns zu GOtt bringen, ``Er, der von keiner sünde wußte, ward für uns zur sünde gemacht, auf daß wir, die wir nichts als sünder sind, in Ihm würden die gerechtigkeit, die vor GOtt gilt.'' 2 Cor. 5, 21.

Christlicher Leser! Wirf alles, was noch in dir zum alten menschen gehört, zu Christi Füssen. Er allein muß den vorzug vor allen haben. Alle gefässe des geistlichen tempels im neuen bunde, von dem kleinsten bis zum größten, müssen insgesamt an Christo aufgehenget werden. Er muß auch allein den ruhm davon haben; denn Er allein ists werth: weil Ers ist, der den tempel des HErrn bauen, und die ehre davon haben muß. Er ist auch nach seines Vaters rath, der Grundstein, der Ekstein und die Trone desselben. Er ist die fülle der gnaden und der herrlichkeit des Vaters. Komm nur zu Ihm, es mag dir fehlen, was da will, bei Ihm ist balsams genug, der deinen schaden heilen kan.

Lieber Leser! Der HErr helfe dir, daß du erfahrung von dem kriegen mögest, was in folgendem worte der ermahnung enthalten ist. GOtt selbst mache es dir zu lauter honig, der deiner seelen süsse sei, und deine gebeine heile; so wird sich deine seele über dich selbst freuen. Ich bin dein bruder im glauben und in der gemeinschaft des Evangelii.

Thom. Wilcoks.

§. 1.

Ich habe ein wort der ermahnung an mein und dein herz!

Du heissest ein Christ, und hältst dich mit zur Kirche und ihren Sacramenten. Du thust wohl daran; es sind herrliche vorrechte. Allein, wo dein Christenthum nicht in dem Blut Christi gewurzelt ist; so wirds verwelken, und wird nichts anders heraus kommen, als ein falsches gepränge, womit du zur höllen fährst.

§. 2.

Bleibst du dennoch in deiner sünden-schuld, und eigenen gerechtigkeit dabei: so wird diese schlangenbrut deinem Christenthum endlich allen saft und kraft wegfressen. Prüfe und untersuche täglich mit dem grösten fleiß, worauf sich die hofnung und der ruhm deines Christenthums gründe; ob Christi hand selbst den grund dazu gelegt habe? Ist das nicht, so wird es den sturm nimmermehr aushalten können, der gewiß drauf zustossen wird. Der satan wird alles übern hauffen werfen, und es wird einen grossen fall thun. Matth. 7, 27.

§. 3.

Eingebildete Seele! dir steht eine sichtung bevor. Das innerste deines Christenthums wird nachdrüklich untersucht werden. Schreklich ists, wenn einem alles überm kopf zusammen fällt, und man nichts mehr findet, worauf man fussen könte.

§. 4.

Hochfliegender Geist! Siehe bei zeiten nach deinen wächsernen flügeln; sie werden in der hitze der anfechtungen gewis zerschmeltzen. Was ist das vor ein jammer, lange einen grossen handel treiben, und endlich banqueroute machen, ohne in seiner seele grund und vorrath auf die Ewigkeit zu haben.

§. 5.

Begabter Christ! Siehe dich wohl vor, daß kein wurm an der wurzel seie, welcher alle deine schöne erde verderben und machen wird, daß alles um dich herum verwelket zur zeit der brennenden hiße.

Durchsuche deine seele täglich und frage dich selbst: ``Ist auch das Blut Christi an meiner seele zu sehen? Was ist es vor eine gerechtigkeit, worauf ich meine seligkeit gründe? bin ich aller meiner eigenen gerechtigkeit los worden?'' O! wie viele angesehene Christen haben endlich schrenen müssen, wenn sie den umsturtz aller ihrer guten werke mit augen gesehen: ``verloren, verloren in alle ewigkeit!''

§. 6.

Erwege, daß die grösten sünden unter den besten werken sowol, als unter der grösten gewissens-angst verstekt sein können. Siehe wohl zu, daß deine von der sünde verwundete seele durch Christi Blut gründlich möge ausgeheilet werden, und sich nicht blos eine haut von pflicht-leistungen, demüthigungen, erleichternungen u. s. w. drüber herziehe. Du magst ausser Christi Blut drauf legen, was du wilt, so wirst du das geschwür nur noch mehr vergiften. Du wirst bald sehen, daß die sünde nimmer recht getödtet worden sei; daß du Christum, wie Er sich für dich am Creutz zu tode geblutet hat, nicht gesehen hast. Nichts kan die sünde tödten, als das auschauen der gerechtigkeit Christi.

§. 7.

Die natur kan keine salbe bereiten, die zur seelen-cur dienen könte. Alte cur durch pflichten und nicht durch Christum ist die verzweifeltste krankheit. Die bettel-arme verdorbene natur mit allen ihren aufs höchste ausgebesserten kräfften, kan nimmermehr ein gewand weben, das fein genug und ohne flekken wäre, der seelen blösse damit zu bedekken. Nichts kan der seelen hierzu dienen, als Christi vollgültige gerechtigkeit.

§. 8.

Alles, was die natur dazu zusammen gesponnen hat, muß erst wieder aufgetrennet werden, ehe die gerechtigkeit Christi angezogen werden kan. Was man von natur-gewebe an sich gehänget hat, darüber wird der satan kommen, jeden fetzen herunter reissen, und die seele dem zorn GOttes nakt und bloß überlassen.

Die natur kan mit allen ihren kräfften nicht soviel als ein tröpflein gnade zuwege bringen, womit sie die sünde tödten, oder Christo dereinst unter die augen treten könte.

§. 9.

Du sagst: Ich bin ein Christ; du gehest zur kirche, in die bet-stunden und zur Communion. Bei dem allen kanst du ein elender mensch sein. Besinne dich doch, ob dir Christus jemals bis auf diesen tag so vor die augen gekommen sei, daß Er dir weit über alle vollkommenheit und gerechtigkeit in der welt gegangen; und daß dieses alles vor der Majestät seiner Liebe und Gnade zu boden gefallen wäre. Jes. 2, 17. 19.

§. 10.

Wenn du Christum wahrhaftig gesehen hast; so hast du nichts als lauter gnade, lauter gerechtigkeit, die auf alle weise unendlich ist, in Ihm erblikket, die überschwänglich weit über alle sünde und elend gehet. Wenn du Christum gesehen hast, so kanst du aller Menschen und Engel gerechtigkeit mit füssen treten, in soferne dieselbe dir eine gute aufnahme bei GOtt verschaffen soll.

Wenn du Christum gesehen hast, so wirst du ohne Ihn, um aller welt willen, kein gutes werk thun wollen. 2 Cor. 3, 5.

Wenn du je Christum gesehen hast, so hast du Ihn als den felsen gesehen, der höher ist, als die eigene gerechtigkeit, satan und sünde, Ps. 61, 3. und dieser felsen folget dir (1 Cor. 10, 4.) aus welchem unaufhörlich honig der gnaden fleußt, dich zu sättigen.

Untersuche dich, ob du jemals Christum in die augen gefasset hast, als den eingebornen sohn des Vaters voller gnade und wahrheit Joh. 1, 14. 16. 17. Ruhe nicht, bis du gewis bist, daß du zu Christo gekommen, auf dem ewigen felsen stehest, seinem an deine seele ergangenen ruff gefolget, und mit Ihm auf deine rechtfertigung eins worden bist.

§. 11.

Die leute können vortreflich vom glauben reden, so lange sie frisch und gesund sind; aber wenige sind damit recht bekant. Christus ist das geheimnis der heiligen schrift; die gnade ist das geheimnis Christi. Glauben ist das wunder-volleste ding in der welt. Thue das geringste von deinem eigenen hinzu, so hast du es verdorben; Christus wird nicht den geringsten blik drauf werfen, als obs glaube wäre.

Wenn du gläubest, und zu Christo kommst; so must du alle deine eigene gerechtigkeit zurük lassen, und nichts mitbringen, als deine sünde. Das ist hart! Du must fahren lassen alle deine heiligkeit, heiligung, gute werke, demüthigungen, und must nichts mitbringen, als deine mängel und elend, sonst schikt sich Christus nicht zu dir, und du dich nicht zu Christo. Christus will ein mit nichts vermengter Erlöser und Mittler sein, und du must nichts als ein verlorner sünder sein, oder Christus und du werden nimmer überein kommen.

Nichts in der welt ist schwerer, als Christum allein für seine gerechtigkeit annehmen; das heißt; Ihn für Christum erkennen. Setze Ihm das geringste von deinem eigenen an die seite, so wird Er dir nicht mehr Christus sein.

§. 12.

Fällt dir irgend etwas anders ein, wenn du zu GOtt gehest, um angenommen zu werden, als Christus, das nenne den Widerchrist. Gebeut ihm, daß es weiche. Laß Christi gerechtigkeit allein den sieg behalten. Ausser dem ist alles Babel. Das muß fallen, wenn Christus stehen soll. ``Du aber wirst dich freuen, wenn der tag seines falles kommt. Jes. 1, 10. 11. 12, Christus hat die kelter allein getreten, und niemand war mit Ihm'' Jes. 63, 3. Was du Ihm an die seite setzen wirst, das wird Er mit grimm und zorn zertreten, daß dessen vermögen auf seine kleider spritzen wird.

§. 13.

Du hältst das gläuben für eine so leichte sache. Ist aber wol jemals dein glaube in einer versuchungsstunde, in welcher dir alle deine sünden vor augen gestanden, geprüfet worden? Ist dem satan jemals erlaubt worden, denselben anzutasten? Und hat GOttes zorn schwer auf deinem gewissen gelegen? Wenn das ist, daß du so im rachen der hölle und in der grube warest, dann hat dir GOtt Christum als dein lösegeld, gerechtigkeit u. s. w. zeigen können; dann hast du sagen können: ``O! ich sehe gnade genug in Christo;'' und kanst also auch das größte wort in der welt nachsprechen und sagen: ich gläube. Der ungeprüfte glaube ist ein wankender glaube.

§. 14.

Zum gläuben gehört eine deutliche überzeugung von der sünde, von den verdiensten des Blutes Christi, und von Christi willigkeit, dich schlechterdings aus keiner andern bewegung selig zu machen, als weil du ein sünder bist. Das sind dinge, die schwerer sind, als eine welt erschaffen. Alle natur kräfte können es nicht so hoch treiben, wenn sünde und schuld daher stürmen, wahrhaftig zu gläuben, daß noch einige gnade, einige willigkeit in Christo, dich zu erretten, vorhanden sei. Wenn der satan die sünde dem gewissen vorwirft, und die seele alsdann sie auf Christum wirft, das ist Evangelisch. Das heist Ihn zum Christ machen; dazu ist Er da. Christi gerechtigkeit allein annehmen, nicht selig sein wollen, als in seinem Blut allein: das ist die summa des Evangelii. Wenn die seele bei allen ihren besten werken sowol, als in den äussersten verlegenheiten, sagen kan: ``nichts als Christus, Christus einzig und allein, ist mir zur gerechtigkeit, (rechtfertigung,) heiligung, und erlösung gemacht, nicht meine demüthigungen, nicht meine werke, nicht meine gnadenerfahrungen:'' so ist die seele allen bestürmungen unerreichlich.

§. 15.

Der grund aller versuchungen, aller vortheile satans über uns, und unserer klagen darüber, liegt in der eigenen gerechtigkeit und selbst-gefälligkeit. Diese verfolget GOtt dadurch, daß Er dir den satan über den hals schikt (wie Laban dem Jacob wegen der götzen-bilder that:) Diese müssen dir entrissen werden, du magst wollen oder nicht; sonst hindern sie Christum, bei dir einzukehren. Ehe aber Christus eingehet, weicht die verdammung nicht. Wo aber verdammung ist, da ist auch noch herzens-härtigkeit. Und also beweiset das viele verdammen des herzens, daß wenig oder gar nichts von Christo in demselben sei.

§. 16.

Wenn deine sünden-schuld im gewissen rege wird, so hüte dich, daß du es auf keine andere weise gestillet haben wollest, als durchs Blut Christi: sonst wirst du dadurch nur noch verhärteter werden. Nimm Christum zu deinem frieden an, Eph. 2, 14. nicht dein gutes thun; nicht deine thränen u. s. w. Deine gerechtigkeit sei Christus; nicht deine gnaden-gaben. Du kanst Christum eben so leicht durch gutes thun, als durch sündigen zu nichte machen. 1 Cor. 1, 17. Dan. 9, 26. Siehe auf Christum, und thue so viel du wilt. Stehe mit deinem ganzen gewicht auf Christi gerechtigkeit, und hüte dich, daß du nicht den einen fuß auf deiner eigenen, und den andern auf Christi gerechtigkeit habest. Ehe und bevor Christus kommt, und in dir seinen Gnaden-thron aufgerichtet hat, so ist in deinem gewissen nichts als verdammung, schrekken, heimliches mistrauen, und die seele schwebet zwischen furcht und hofnung, welches gar ein unevangelischer zustand ist.

§. 17.

Wer sich scheuet, die sünde in ihrer äussersten scheußlichkeit, ja den höllischen abgrund seines eigenen herzens recht zu gesicht zu kriegen, der trauet dem verdienst Christi nicht. Du magst noch so ein grosser sünder sein; probire es mit Christo, Ihn zu deinem Fürsprecher anzunehmen; so wirst du finden, daß Er sei JEsus Christus, der gerechte.

Unter allen zweifeln, beklemmungen und toben des gewissens, siehe unverwandt auf Christum. Ueberwirf dich darüber nicht mit dem satan; (dem wäre das was gefundenes) sondern verweise ihn an Christum, der wird ihm die antwort drauf geben. Dessen amt ist es, unser fürsprecher zu sein. 1 Joh. 2, 1. Es ist sein amt, dem gesetz zu antworten, als unser Bürge. Ebr. 7, 22. So ists auch sein amt, der gerechtigkeit zu antworten, als unser Mittler. Gal. 3, 20. 1 Tim. 2, 5. Zu diesem amte hat Er geschworen. Ebr. 7, 20. 21. Uebertrage das Christo. So du selbst irgend etwas zur büssung deiner sünden beitragen wilt, so entsagest du Christo dem Gerechten, der für dich zur sünde gemacht worden ist. 2 Cor. 5, 21.

§. 18.

Der satan kan zwar die heilige Schrift anführen, und sie verdrehen; allein Er kan nichts auf dieselbe antworten. Sie ist Christi wort vom grösten gewicht: Er selbst hat dem satan damit das maul gestopfet. Matth. 4.

In der ganzen Bibel ist kein einiges hartes wort wieder einen armen, von der eigenen gerecthigkeit entblößten sünder zu finden, vielmehr zeichnet sie denselben so aus, daß der und niemand anders das ziel der gnade des Evangelii sei.

Traue nur auf Christi willigkeit, so wirst du auch willig werden. Wirst du inne, daß du nicht gläuben kanst; so besinne dich, daß es Christi werk sei, den glauben in dir zu wirken. Dringe bei Ihm drauf; ER ists, der da wirket beyde das wollen und das vollbringen nach seinem wohlgefallen. Phil. 2, 13. Bejammere deinen unglauben, welcher die schuld in deinem gewissen mächtiger macht, als Christum, indem er das Verdienst Christi heruntersetzt, und das Blut Christi als was unheiliges, gemeines und zur genugthuung unzulängliches achtet.

§. 19.

Du klagest sehr über dich selbst. Treibt dich dein sünden-elend, mehr auf Christum und weniger auf dich selbst zu sehen, so ists ganz recht: sonst sind deine klagen eine blosse heuchelei.

Es ist was jämmerliches, auf gute werke, begnadigungen und herzens-erleichterungen zu gaffen, da du Christum anschauen soltest. Das gaffen auf jene wird dich nur stolz, das aufsehen aber auf Christi gnade wird dich demüthig machen. Aus gnaden seid ihr selig worden, heists Eph. 2, 5.

§. 20.

Werde unter allen deinen anfechtungen nicht muthlos, Jac. 1, 2. Diese züchtigungen sind nicht, dich zu zertrümmern, sondern dazu gemeinet, dich von dir selbst herunter und auf Christum den Felsen zu setzen.

Du kanst tief herunter gebracht werden, so gar bis an den rand der hölle, und auf der spitze stehen, gar hinein zu stürzen. Tiefer kanst du doch nicht gebracht werden, als in den bauch der hölle (und o wie viele heiligen sind da gewesen und vom satan mishandelt worden;) Allein auch da magst du noch schreien und dich nach der heiligen tempel-stätte umsehen. Joh. 2, 4. 5. In diesen tempel durfte niemand hineingehen, der nicht gereiniget war, und noch darzu ein opfer mitbrachte. Act. 21, 26. Nun ist aber Christus unser Tempel, unser Opfer, Altar und Hoherpriester, zu dem sich niemand nahen darf, als sünder, und das ohne einiges ander opfer, als mit seinem eigenen einmal vergossenen Opfer-Blute. Ebr. 7, 27.

§. 21.

Stelle dir alle exempel der gnade der Vollendeten im himmel vor. Du denkst: ``O was für ein grosses denkmaal der gnade würde ich sein?'' Da sind gewis viele tausend eben so herrliche denkmaale, als du eines werden kanst. Der größte sünder war nie zu groß für Christi gnade.

Verzage ja nicht, halte an mit hoffen. Wenn die wolken am finstersten sind, alsdann eben siehe auf Christum, die aufgerichtete Säule der liebe und gnade des Vaters, welche im himmel erhöhet ist, daß alle arme sünder beständig darauf hinsehen sollen. Der satan oder dein gewissen mag dir vorrükken, was sie wollen. Fälle du daraus kein urtheil gegen dich selbst. Christus muß das letzte wort behalten. Er ist richter über lebendige und todte. Er muß das end-urtheil fällen. Sein Blut redet versöhnung Col. 1, 20 reinigung 1 Joh. 1, 7. ranzion Act. 20, 28. erlösung 1 Pet. 1, 19. abwaschung Ebr. 9, 13. 14. rechtfertigung Röm. 5, 9. und zunahung zu GOtt. Eph. 2, 13. Nicht ein tropfen dieses Blutes soll verloren gehen. Stehe und horche was GOtt sagen wird; ``denn Er wird friede zusagen seinem volk, daß sie nicht wieder auf thorheit geraten.'' Ps. 85, 9. Er sagt gnade, barmherzigkeit und friede zu. 2 Tim. 1, 2. Das ist die sprache des Vaters und Christi.

§. 22

Warte auf Christi erscheinung, als auf den morgenstern. Er wird so gewiß hervorbrechen, wie die schöne morgen-röthe, und wie ein regen, der das land feuchtet. Hos. 6, 3.

So wenig die sonne an ihrem aufgehen gehindert werden kan: eben so wenig auch Christus, die sonne der gerechtigkeit. Mal. 4, 2. Siehe keinen augenblik von Christo weg. Siehe nicht zuerst auf die sünde, sondern zuerst auf Christum. Wenn du über die sünde betrübt bist, und du siehest alsdenn Christum nicht, (Zach. 12, 10.) weg damit! In allen deinen werken siehe auf Christum: vor der that um vergebung: während der that, um beistand; und nach der that, daß Er sichs wolle gefallen lassen. Wenn du es nicht so machest, so handelst du fleischlich und leichtsinnig.

Mache aus dem Evangelio kein gesetz, ais wenn für dich noch ein theil zu thun und zu leiden übrig, und Christus nur ein halber Mittler wäre, und als wenn du noch einen theil deiner sünden tragen und dafür büssen müßtest. Laß die sünde dein herz zerbrechen, aber nicht deine hofnung am Evangelio niederschlagen.

§. 23.

Siehe mehr auf die rechtfertigung als auf die heiligung. Mache in den wichtigsten geboten ans Christo keinen Mosen, der nur fordert; sondern siehe Ihn an als einen schuldner und als den, der das werk auszuführen übernommen hat. Hast du mehr auf werke, pflichten, tugenden und dergleichen als auf Christi Verdienst gesehen, so wird es dir theuer zu stehen kommen. Kein wunder, daß du immer klagest, wenn du gleich noch so überzeugende gnaden-proben erfahren hast. Das Verdienst Christi allein, ohne zuthun derselben, muß der grund deiner hofnung sein, worauf du dich gründen kanst. Christus allein kan die hofnung der herrlichkeit sein. Col. 1, 27.

§. 24.

Wenn wir vor GOtt treten, dürfen wir nichts als Christum mit uns bringen. Irgend eine zuthat von unserm eigenen, irgend eine vorgängige anschikkung oder zubereitung, als von uns selbst, ist ein gift, und verdirbt den glauben. Wer auf gute werke, begnadigungen, und dergleichen bauet, der kennet das Verdienst Christi nicht.

Dis ists, was das gläuben so schwer, und zu einer ganz übernatürlichen sache macht. Wenn du gläubest, so must du tag vor tag deine vorrechte, gehorsam pflichten, gute verke, gaben, thränen, zerschmelzungen, beugungen etc. für schaden, ja für drek und auskehrigt achten, (Phil. 3, 7. 8.) und über nichts als Christo steif und vest halten.

Täglicht müssen deine werke und selbst-hülfe vernichtet werden. Du must alles aus der hand Gottes nehmen. Christus ist GOttes gabe. Joh. 4, 10. Der glaube ist GOttes gabe. Eph. 2, 8. die vergebung der sünden ist eine freie gabe. Röm. 5, 16. Ach! wie tobet, wütet, und raset die natur hierüber, daß alles geschenk und gabe ist, und daß sie nichts erwerben kan durch ihr thun, und thränen, und ausübung der pflichten; daß alles würken ausgeschlossen ist, und gar nichts gilt im himmel.

§. 25.

Wenn die natur eine heils-ordnung hätte machen sollen, so würde sie lieber die seligkeit in die hände der Engel und heiligen gestellet haben, sie zu verkauffen, als sie in Christi händen sehen, der sie umsonst giebt, und dem sie eben deswegen nicht trauet.

Sie würde es in die wege gerichtet haben, daß man sie durch werke hätte erkauffen sollen; darum verabscheuet sie das Verdienst Christi, weil es ihren ganzen kram vernichtet. Die natur würde lieber alles in der welt thun, um selig zu werden, als zu Christo gehen, und sich mit Ihm schliessen. Christus will gar nichts haben; die seele aber wil Ihm von ihrem eigenen durchaus was aufdringen.

§. 26.

Bei diesem grossen misverstand bedenke, ob dir jemals das Verdienst Christi und seine unendliche genugthuung, die durch seinen Tod geschehen ist, klar geworden sei? Ist dis deiner seele zu der zeit, als die bürde der sünde und des zorns GOttes schwer auf deinem gewissen lag, offenbar worden; so ist gnade.

Niemand, als eine arme seele in ihrer grösten verlegenheit kennet die Grösse des Verdienstes Christi. Wer von seinem verderben nur schwache überzeugung hat; der wird Christi Blut und verdienst auch nur wenig zu schätzen wissen.

§. 27.

Verzagender sünder! du siehest dich zur rechten und linken um, und sprichst: ``wer wird uns zeigen, was gut ist?'' du kehrest den ganzen vorrath deiner guten werke und religions-übung um und um, eine gerechtigkeit zusammen zu stoppeln, um dich zu retten. Nun ists zeit, nun siehe auf Christum; ``wendet euch zu Ihm, so werdet ihr selig aller welt ende;'' Jes. 45, 22. Es ist sonst keiner ohne Ihn, Er ist Heiland, und keiner mehr. Siehe sonst hin, wo du immer willst, so bist du verloren. GOtt selbst will auf nichts als Christum sehen; und du must auch auf sonst nichts sehen.

Christus ist erhöhet worden, wie die eherne schlange in der wüste, daß die sünder von aller welt ende her, auch die aller entlegensten, Ihn sehen können, und ihr angesicht zu Ihm richten sollen. Der matteste Blik auf Ihn ist seligmachend; das schwächste anrühren desselben wird dich heilen.

GOtt will, daß du auf Ihn sehen solst: darum hat Er Ihn auf einen hohen thron der herrlichkeit gesetzt öffentlich vor den augen aller armen sünder. Du hast unzehlige ursachen auf Ihn zu sehen, und gar keine einige, von Ihm wegzusehen. Denn Er ist sanftmüthig und von herzen demüthig, Matth. 11, 29. Er wird alles das selbst thun, was Er von seinen creaturen fordert; z. e. Die schwachen tragen Röm. 15, 1. keinen gefallen an ihm selbst haben, nicht auf des gesetzes forderungen bestehen. Er wird mit sanftmüthigem Geist wieder zurecht helfen, und deine lasten tragen, Gal. 6, 1. 2. Er wird vergeben nicht nur siebenmal, sondern siebenzig mal sieben mal. Matth. 18, 21. 22. Dis war dem Apostel selbst schwer zu glauben. Denn weil uns das vergeben so schwer ankomt, so denken wir, Christus sei auch so hart, als wir sind.

§. 28.

Wir sehen die sünde übergroß an, und denken, Christus mache es auch so, und messen also unendliche liebe nach unserm masstab, unendliche verdienste nach unsern sünden ab, weiches der gröste hochmuth, ja GOttes-lästerung ist, Ps. 103, 11. 12. Jes. 40, 15.

Höre, was Er sagt: ``ich habe eine Erlösung funden. Hiob. 33, 24. An Ihm habe ich Wohlgefallen,'' Matth. 3, 17. GOtt will sonst nichts haben, nichts anders wird dir zu statten kommen, oder dein gewissen befriedigen, als Christus, der den Vater befriedigt hat. GOtt thut alles um Christi willen.

Dein verdienter lohn ist hölle, zorn und verwerfung. Christi Verdienst ist leben, vergebung und annehmung. Er will dir nicht nur jenes vor augen stellen, sondern auch dieses schenken. Vergeben ist Christi eigene ehre und seligkeit.

Erwege doch, daß, so lange Christus auf erden gewandelt, Er mehr mit zöllnern und sündern, als mit schriftgelehrten und pharisäern, die seine abgesagte feinde waren, umgegangen ist. Denn diese waren gerechte leute. Es ist nicht so, wie du dir einbildest, daß sein staud der herrlichkeit Ihn gegen arme sünder gleichgültig, oder diese Ihm verächtlich mache; o nein! Er hat heute noch eben dasselbe herz im himmel. Er ist GOtt und ändert sich nicht.

Er ist das Lamm GOttes, welches der welt sünde trägt, Joh. 1, 29. Er hat alle die versuchungen, verlegenheiten, bekümmernisse, verlassungen und verstossungen (Matth. 26, 38.) die du erfährest, anch selbst ausgestanden. Er hat das bitterste des kelchs ausgetrunken, und dir das süsse gelassen. Die verdamnis ist aus. Christus hat allen zorn GOttes auf einmal ausgetrunken, und für dich nichts als den kelch des heils übrig gelassen.

§. 29.

Du spricht: ``Ich kan nicht gläuben; ich habe auch keine rechte reue und leid über meine sünde.'' Desto besser schikst du dich für Christum, wenn du nichts als sünde und elend an dir hast.

Gehe zu Christo mit aller deiner unbußfertigkeit und unglauben, zu empfahen von Ihm, busse und glauben; das gereicht Ihm zur ehre! Sprich zu Christo: ``HErr! ich bringe weder gerechtigkeit noch gabe, um darin angenommen oder gerechtfertiget zu werden; ich komme und will deine haben, und muß sie haben.'' Wir wollen gar zu gern Christo was mitbringen, und das muß doch schlechterdings nicht sein. Die ausgeschliffensten natur-gaben gelten nicht einen rothen heller im himmel. Gnade und verdienst der werke können nicht beisammen stehen. Tit. 3, 5. Röm. 11, 6.

Das ist ein entsetzlich harter knoten für die natur, der es gar nicht in den kopf will, von allem gar entblösset zu werden, und kein bisgen eigen guts oder gerechtigkeit übrig zu behalten, sich darin zu sviegeln. Eigen gerechtigkeit und selbst-hülfe sind die schoos-kinder der natur, über welchen sie, wie über ihrem leben hält. Diese verunstalten Christum in den augen der natur dermassen, daß sie kein verlangen nach Ihm haben kan. Er ist den allerscheinbarsten eigenliebischen absichten der natur schnurstraks zuwieder.

Laß nur die natur ein evangelium machen; das würde das gerade gegentheil von dem sein, was Christus gemacht hat; es würde nur für gerechte, unsträfliche und heilige eingerichtet sein. Christus aber hat sein Evangelium für dich, das ist, für dürftige sünder, gottlose, ungerechte und verfluchte gemacht. Die natur kan den blossen gedanken nicht vertragen, daß das Evangelium nur allein für sünder gehöre; sie wird sich lieber entschliessen zu verzweifeln, als unter solchen ihr so schreklichen bedingungen zu Christo gehen.

So bald die natur durch sünden-schuld und strafe in die enge getrieben wird; so wird sie ihr altes nest der eigenen gerechtigkeit, frömmigkeit etc. gewiß wieder suchen. Die Allmacht muß diese veste nester zerstören.

Das Evangelium läßt niemand ausgeschlossen, als die, so sich selbst rechtfertigen. Christus wird den abscheulichsten sünder eher ansehen, als so einen; denn einem solchen kan Er nicht zur rechtfertigung gemacht werden, weil er kein Sünder ist,

§. 30.

Compliments-weise läßt sichs leicht sagen: ``Ich bin ein sünder?'' Aber in der wahrheit mit dem zöllner zu beten: GOtt sey mir sünder gnädig, ist das schwereste gebet von der welt. Es ist leicht gesagt: ``Ich glaube an Christum:'' aber Christum erblikken voller gnade und wahrheit, aus dessen fülle du nehmen mögest Gnade um Gnade: darauf kommts an. Christum mit dem munde bekennen ist eine leichte sache; aber Ihn mit dem herzen bekennen, wie Petrus, daß Er sei Christus des lebendigen GOttes Sohn, der einige Mittler, das geht über fleisch und Blut. Es giebt leute genug, die Christum Heiland nennen; wenige aber kennen Ihn so.

§. 31.

Nichts wichtigers auf der welt kan uns vors gesicht kommen, als gnade und heil in Christo. Niemand kan einen blik drauf werfen, ohne zugleich inne zu werden, daß diese herrlichkeit und seligkeit sein eigen sei. Aus dem sehen wird ein ergreiffen.

§. 32.

Ich schäme mich noch, wenn ich dran denke, daß ich mitten in meinen religions-übungen so wenig vom Blute Christi gewußt habe, welches doch die hauptsache des Evangelii ist. Es wird einem nächst der hölle nichts schreklichers unter die augen kommen können, als ein geformtes Christenthum ohne Christo.

Du kanst viel gutes an dir haben, und gleichwol kan dir noch eins fehlen, welches verursachet, daß du traurig von Christo weggehest. Du hast noch nicht alles verkauft, was du hast, alle deine gerechtigkeit hast du noch nicht aufgegeben etc. Du kanst es im gutesthun weit gebracht haben, und doch dabei ein abgesagter feind und wiedersacher Christi sein, selbst in jedem gebet, und bei jedem GOttes-dienst.

§. 33.

Strebe nach der heiligung aus allen kräften, mache aber keinen Christum draus, um dadurch selig zu werden. Wo du das thust, so muß es auf eine oder die andere art wieder vernichtet werden. Christi unendliche gnugthuung, nicht deine heiligung, muß deine rechtfertigung vor GOtt sein. Feuer wird dieselbe, wie heu und stoppeln verzehren, wenn der HErr von seinem heiligen thron schreklich erscheinen wird. Alsdann wird nur das als religion erfunden werden:

1.) alles allein auf den ewigen felsen der liebe und gnade GOttes in Christo zu bauen.

2.) unverrükt im aufsehen auf Christi ewige gerechtigkeit und verdienste zu leben (denn diese sinds, die das herz heiligen, und ohne dieselben bleibts fleischlich:)

3.) in diesem aufsehen auf Christum die sünde in ihrer ganzen abscheulichkeit sehen und dennoch wissen, daß alles das vergeben und darum wieder so gar nichts ist.

4.) in diesem blik beten, Gottes wort hören, u. s. w. im bewußt sein deines beflekten wesens, und aller deiner unvolkommenen werke, die gleichwol immer angenommen werden.

5.) in diesem blik allen deinen eigenen ruhm, gerechtigkeit, vorrechte, als abscheuliche dinge mit füssen treten.

6.) ohne unterlaß in der gerechtigkeit Christi allein erfunden werden;

7.) dich über den umsturz deiner eigenen gerechtigkeit und über der zernichtung aller deiner eigenen vorzüge herzlich freuen, damit nur Christus allein als Mittler auf seinen thron erhöhet werde; und

8.) über alle deine guten werke, so rühmlich sie auch immer sein mögen, die du nicht gethan hast im aufsehen und gefühl der liebe Christi leide tragen. Denn aller Gottesdienst, ohne ein mit Christi Blut besprengtes gewissen, ist ein todtes werk. Hebr. 9, 14.

§. 34.

Die so beruffene lehre vom freien willen, ist so wie durch die heilige Schrift, also auch in einem herzen, das irgend einen geistlichen verkehr mit JEsu Christo gehabt hat, in absicht auf die zueignung seines verdienstes und unterwerfung unter seine gerechtigkeit, leicht wiederlegt. Christus ist in alle wege eine viel zu herrliche person, als, daß sich die arme natur mit Ihm solte schliessen, oder Ihn fassen können. Christus ist so unendlich heilig, daß sich die natur (als natur) nie unterstehen dürfte, Ihn anzusehen. Er ist so unbegreiflich gut, daß es Ihm die natur nimmermehr glauben kan, daß Er so sei, wenn ihr ihre ganze sündige gestalt recht vors gesicht tritt. Christus ist der natur viel zu hoch und zu herrlich, als daß sie Ihn auch nur einmal solte anrühren dürfen. Es muß erst was göttliches in die seele kommen, ehe sie Ihn ergreiffen kan. So gar unmöglich ist es der blossen natur, Ihn zu erblikken oder zu erreichen.

§. 35.

Der Christus, den der freie wille der natur fassen kan, ist nur (so zu reden) ein natur-christus, den sich ein mensch selber macht, nicht des Vaters Christus, nicht JEsus, der Sohn des lebendigen GOttes, zu dem niemand kommen kan, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater. Joh. 6, 44. 46.

§. 36.

Endlich forsche täglich in der schrift, wie in einer gold-miene, darinnen Christi herz liegt.

Mache gegen die sünden deines temperaments; siehe sie in ihrer häßlichkeit an, so wirds nimmer zur that kommen.

Laß dich immer in einer armen, gebeugten und zerbrochenen herzens-gestalt finden, gerührt von jedem geistlichen fehltritt, aufmerksam auf alle innern bewegungen, und fertig, die wichtigsten begnadigungen zu empfahen.

Behalte keine schuld auf deinem gewissen, brauche unverzüglich dafür das Blut Christi. GOtt läßt dir nur darum sünde und schuld im gewissen schwer auffallen, damit du auf Christum, als die eherne schlange sehen solst.

§. 37.

Schätze die liebe Christi nicht nach dem, wie es dir ergehet, sondern nach den verheissungen. Danke du GOtt dafür, daß Er dir alle falsche stützen wegreißt, und für ein jedes mittel, wodurch Er deine seele immer aufgewekt und im aufsehen auf Christum erhält. Krankheit und anfechtung ist besser, als sicherheit und leichtsinn.

§. 38.

Aus einem lauen und gleichgültigen gemüth wird endlich ein frecher geist, der zugleich sündiget und betet. Laulichkeit ist ein rechtes gift und pestilenz des Christenthums. Wenn diese giftige wurzel nicht durch einen ununterbrochenen wahrhaftigen umgang mit Christo, und durchs aufsehen auf Ihn unter allen verrichtungen aus dem herzen gerottet wird; so wird sie dadurch, daß du dich zur kirche und den sacramenten hältst, nur noch immer stärker und tödtlicher werden.

§. 39.

Wäge deine gnaden-gaben nicht mit anderer leute ihren ab, sondern siehe, ob sie der schrift probe halten.

Thue, was du solst, mit allem fleiß und treue, und laß dir die wichtigkeit desselben am herzen liegen. Aber fürchte dich eben so sehr, vor allem trost aus deinen guten werken, als vor dem trost aus den sünden. Aller trost, der nicht von Christo kommt, er komme sonst, woher er wolle, ist tödlich.

Halte an am gebet; sonst wirst du nie viel gemeinschaft mit GOtt unterhalten. So wie du bist beim gebet in deinem kämmerlein, so wirst du auch bei allem übrigen öffentlichen Gottesdienste sein.

§. 40.

Schätze die guten werke nicht, nach dem viel aufhebens davon gemacht wird, sondern nach der demüthigen herzens-stellung, und dem damit verbundenen aufsehen auf Christum.

Erzittere vor grossen gaben und thaten. Jener grosse Heilige pflegte zu sagen: er fürchte sich mehr vor seinen guten werken, als vor seinen sünden; Jene verleiteten ihn oft zum stolz, diese aber erhielten ihn allezeit in der demuth.

§. 41.

Sammle dir einen schatz von offenbarungen der liebe Christi; sie machen das herz klein vor Ihm, und zu groß für die sünde. Verachte nicht die geringsten und kleinsten kennzeichen der gnade; GOtt kan dich in umstände kommen lassen, in welchen dir die, so du für die geringsten hältst, sehr zu statten kommen, und daß du selbst das, was 1 Joh. 3, 14. steht, daß du die Brüder lieben kanst, vor aller welt herrlichkeit nicht vertauschen würdest.

§. 42.

Halte vest über der wahrheit, aber nicht mit heftigkeit und schmähsucht. Richte die gefallenen wieder auf und hilf ihnen wieder zurecht mit der herzlichen Erbarmung Christi. Richte die zerbrochenen, ausgerenkten gebeine mit der gnade des Evangelii wieder ein.

Stolzer Geist! verachte die schwachen Heiligen nicht. Es kan dir wiederfahren, daß du dir wünschen möchtest, der geringste unter ihnen zu sein.

Nimm dich fremder schwachheiten treuherzig an; Mit deinen eigenen nimm es desto genauer. Besuche fleissig kranke und verlassene seelen; denn die erfahrung hat sie viel gelehret.

§. 43.

Bleib in deinem beruf. Handele gegen alle deine angehörige so verbindlich treu, als gegen den HErrn. Sei mit wenig zeitlichem vergnügt; Du kanst mit wenigem auch auskommen. Laß dir das geringe vermögen das du an irdischen gütern besitzest, noch zuviel zu sein dünken; denn du bist auch des allergeringsten unwürdig. Wird dir aber viel von himmlischen gütern dargereicht, so verfalle darum nicht auf gleichgültige gedanken, weil Christus so reich und freygebig ist.

Halte einen jeden für besser, als dich selbsten. Trage beständig einen ekkel an dir selbst mit dir herum, als einer, der werth wäre, von allen Heiligen mit füssen getreten zu werden.

Stelle dir der welt eitelkeit, und die vergänglichkeit, worunter alle irrdische dinge liegen, vor augen, und umfasse nichts, als Christum, mit deiner liebe.

Trage leid darüber, daß du sehen mußt, das Christus der welt ein so unbekanter Mann ist, und daß so wenige nach Ihm fragen. Eine jede tändelei gefällt ihnen besser, als Er. Einem sichern herzen ist Christus eine fabel; die Bibel ein mährlein.

Laß dirs nahe gehen, wenn du bedenkest, wie viele getaufte zwar unter der kirchlichen verfassung, aber nicht unter der gnade stehen, sich viel um pflichten und gehorsam, aber wenig um Christum bekümmern, und mit der gnade wenig bekant sind.

Schikke dich zum Creutz, heisse es willkommen, trage es als Christi Creutz triumphirend, es sei nun hohn, spott, beschimpfung, verachtung, gefängnis u. d. g. nur siehe wohl zu, daß es Christi, und nicht ein selbst gemachtes Creutz sei.

§. 44.

Das rühmen von Christi Creutz wird durchs sündigen gehindert. Das beiseitsetzen der kleinsten wahrheit, (Matth. 5, 19. gegen besser wissen, kan die hölle im gewissen eben so wol anzünden, als es die wirkliche ausübung der größten versündigungen gegen überzeugung, zu thun vermag.

Bist du aus der höllen rachen heraus gerissen, und in Christi schoos versetzet worden, und hast unter den fürsten des hauses GOttes platz bekommen: O wie soltest du dich in deinem ganzen leben als ein muster der barmherzigkeit betragen; du erlösete, errettete seele! welche unendliche dank-schuld gegen Christum haftet auf dir: was für ein ausnehmendes betragen wird sich nicht in deinem wandel und in einem jeden guten werke zeigen müssen! was solte nicht ein jeder sonntag dir vor ein dankfest sein, dein hallelujah anzustimmen! was für ein himmel auf erden, ein glied der kirche zu sein, und mit Christo, den Engeln und den Heiligen in gemeinschaft zu stehen! Wenn du zum Mahl des HErren nahest, wie muß nicht da deine seele in die ewige liebe versinken, als wenn du mit Christo begraben wärest, abgestorben allen andern dingen ausser Ihm.

So oft du nur an Ihn denkest, so erstaune und verwundere dich. Zeiget sich dein sünden-elend wieder, so siehe gleich auf Christum, der dir alles vergeben hat; und wenn du dich hochmüthig fühlest, so siehe auf Christi gnade, die wird dich beugen, und wieder in den staub werfen.

§. 45.

Laß dir nie aus dem sinne kommen die werbe-zeit, da du nakend und blos warest Ezech, 16, 8. 9. und Er dich nahm. Ist es möglich, daß du dabei je einen stolzen gedanken haben kanst? gedenke an den, dessen arme dich gehalten haben, daß du nicht hingesunken bist, und die dich errettet haben aus der tiefsten hölle, Ps. 86, 13.

Lobe Ihn, daß es erschalle in den ohren der Engel und menschen (Ps. 148.) und singe in ewigkeit von preis und gnade.

Gehe in täglicher beugung und gebet einher, und wandele im angesicht der gnade, als einer, auf den das salb-öl derselben ausgegossen ist.

Vergiß nie deiner sünden und Christi vergebungen; deiner verschuldungen und Christi Verdienstes; deiner schwäche und Christi kraft; deines stolzes und Christi demuth; deiner vielen gebrechen und Christi aufhülfe; deiner schuld und Christi immer neuen besprengung seines Blutes; deines strauchelns und Christi aufrichtung; deines mangels und Christi fülle; deiner versuchungen und Christi zärtlichen mitleidens; deiner schnödigkeit und Christi gerechtigkeit.

§. 46.

Selige seele! welche Christus so finden wird, daß sie nicht habe ihre eigene gerechtigkeit Phil. 3, 9. sondern die ihre kleider gewaschen und helle gemacht hat im Blut des Lammes Apoc. 7, 14.

Bejammerns-würdiger, elender Religions-genosse, der du das Evangelium nicht inwendig in dir hast. Beruhige dich nicht damit, daß dich die kirche gelten läßt; da kanst du durchgekommen sein, und doch verworfen werden am tage des gerichts Christi; du kanst getauft sein, und doch nicht zu JEsu und dem Blut der besprengung gekommen sein. Hebr. 12, 24. Alles eigene gemache und bestreben ohne das Blut, verdienst und gerechtigkeit Christi (die doch die hauptsache des Evangelii sind) verfehlt des Evangelii, und läßt die seele in ihrem mit zweifel und ungewißheiten geplagten zustande. Die zweifel, wenn ihnen nicht bei zeiten abgeholfen wird, verwandeln sich in laulichkeit des herzens, welches ein höchstgefährlicher zustand ist.

Treibe mit kirchen-handlungen keinen scherz. Laß dich fleißig in betrachtung und gebet ein. Besuche fleißig alle gelegenheiten, wo du was gutes hören kanst. Lehre, bestraffung, ermahnung und trost sind uus so nöthig, als der regen, der thau, der sanfte und der plaß-regen dem kraut und grase sind. 5 Mos. 32, 2. Thue alle deine geschäfte von herzen, als dientest du Christo, so als ob du unmittelbar mit Christo JEsu zu thun hättest, und du Ihn und Er dich ansähe, und hole dir alle deine kraft bei Ihm.

§. 47.

Sei aufmerksam auf die heiligen triebe zu guten werken, die sich in deiner seele hervorthun. Schätze den geringsten guten gedanken, den du von Christo hast, und das geringste gute wort, das du aufrichtig aus dem herzen von Ihm redest, für grosse barmherzigkeit. O! danke GOtt dafür.

Siehe, ob an jedem tage der aufgang aus der höhe (Luc. 1, 78.) dich mit seinem morgenthau der beweinung deiner sünden ununterbrochen besuche? Ob der helle Morgenstern mit immer neuen Einflüssen der gnade und des friedens dir beständig aufgehe, und Christus die seele bei allen ihren verrichtungen freundlich begrüsse?

Ein jedes werk, das nicht immer geistlicher macht, das führet mehr ins fleisch; und das nicht lebendig und klein macht, das tödtet und macht unempfindlich.

§. 48.

Ein Judas mag wol mit in die schüssel tauchen, und die äusserlichen vorrechte der Taufe, des Abendmahls, der Kirchen-gemeinschaft etc. haben; aber ein Johannes liegt an Christi brust. Joh. 13, 23.

Das ist die dem Evangelio gemässe positur, in welcher wir beten, GOttes wort hören, und alle unsere werke thun solten. Nichts als das liegen an der brust kan des herzens härtigkeit zerschmelzen, eine sanfte reue über die sünde zuwege bringen, die laulichkeit und gleichgültigkeit des gemüthes, welche ein rechtes gift des Christenthums sind, heilen. Das kan gründlich demüthigen, die seele mit Christo herz-vertraulich, die sünde aber ihr zum abscheu machen; ja sie kan den abscheulichsten höllenbrand in Christi herrliches bild gestalten.

Denke ja niemals, daß es mit dir so stehe, wie es stehen solte, oder daß du ein Christ seist, der zu irgend etwas gekommen sei, bis du dahin gelangest, daß du dich selbst immer siehest und fühlest in dem schoose Christi liegen, welcher in seines Vaters schoos ist. Joh, 1, 18.

Komm nur, und bitte den Vater, daß er dir Christum verkläre: so kanst du versichert sein, daß es dir nach wunsch gehen wird; Du kanst mit keiner Ihm angenehmern supplique zu ihm kommen. Er gab Ihn eben zu dem ende her aus seinem eigenen schoos, um vor den augen aller sünder aufgerichtet zu werden, als das ewige denkmaal seiner väterlichen liebe.

§. 49.

In die natürliche sonne sehen, schwächet das auge. Je unverwandter du aber Christum, die sonne der gerechtigkeit, anschauest, desto gestärkter und heller wird dein glaubens-auge werden. Siehe nur auf Christum, so wirst du Ihn lieben, und dich an Ihm nähren. Halte Ihn stets im g.dächtnis; hefte dein auge beständig auf Christi Blut, sonst wird dich ein jeder wind der versuchung herumtreiben.

Wilst du sehen, wie sündig die sünde sei, sie zu verabscheuen und zu beweinen; so trit nicht hin, und siehe auf die sünde, sondern siehe zuerst auf Christum in seiner leidens und versöhnungs-gestalt.

Begehrest du eine einsicht von deinen gnaden-erfahrungen und deiner heiligung, so stehe nicht und gaffe sie an, sondern siehe zu allererst auf Christi gerechtigkeit (siehe den Sohn, so siehest du alles) darnach magst du auch auf die dir wiederfahrne gnade sehen.

§. 50.

Bei der glaubens-übung sieht man leicht aufs erste beste, und denkt, das soll einem helfen, und machts zum grunde seiner hofnung. Gehe zu Christo mit augen, die auf deine sünde und elend, und nicht auf deine gnade und heiligkeit gerichtet sind. Habe nichts zu schaffen mit deinen gnaden-erfahrungen und heiligung (sie werden dir Christum nur verdekken) bis du zuerst Christum erblikket hast. Wer durch seine gnaden-erfahrungen auf Christum siehet, der ist gleich einem menschen, der die sonne im wasser siehet, welche wakkelt und sich beweget, so wie sich das wasser beweget.

Siehe du nur auf Christum, wie Er am firmament der liebe und gnade des Vaters leuchtet; so wirst du Ihn in keiner andern als seiner eigenen herrlichkeit sehen, die unaussprechlich ist.

Stolz und unglauben werden dich verleiten, daß du zuerst auf irgend etwas sehen solst, das in dir selbst ist, aber der glaube will mit niemand zu thun haben, als mit Christo, welcher unaussprechlich herrlich ist, und der deine Heiligung so gut, als deine sünden verschlingen muß. Denn GOtt hat Ihn zu beiden für uns gemacht; wir müssen ihn daher auch zu beiden machen. 1 Cor. 1, 30. 2 Cor. 5, 21. Wer seixe eigene heiligkeit aufrichtet, sie anzuschauen und sich damit zu trösten, der richtet den größten götzen auf, der seine zweifel und schrekken vermehren wird. Siehe von Christo weg; so sinkest du (wie Petrus Matth. 14, 31.) den augenblik in die zweifel.

§. 51.

Einem wahren Christen fehlt es nie an trost, als wenn er aus der ordnung und dem wege das Evangelii schreitet, durch bespiegelung in seiner eigenen, und wegsehen von Christi vollgültigen gerechtigkeit; welches eben so viel ist, als lieber bei einem nachtlicht, als bei der lichten Sonne sehen wollen. Der honig, den du aus deiner eigenen gerechtigkeit saugest, wird deiner seele zur bittersten galle, und das licht, welches du daher nimst drinnen zu wandeln, zur dikkesten finsternis werden.

Es ist eine versuchung des teufels, wenn er dich reißet, daß du auf deinen gnaden-erfahrungen ersessen sein solst, um daraus trost zu holen. Dann kommt der Vater und deutet dir auf Christi gnade, die so reich, so herrlich und Ihm so unendlich wohlgefällig ist, und gebeut dir, in Christi gerechtigkeit zu studiren; (und was Er gebeut, das giebt Er auch) das ist eine selige regung, ein sanftes wispern, das deinen unglauben bestraffet. Folge du dem kleinsten winke, schliesse dich an mit anhaltendem flehen, und achte das für ein unschäßbares kleinod. Es ist ein unterpfand, daß dir noch mehreres zugedacht ist. Ferner:

§. 52.

Wenn du gerne beten wilst und doch nicht kanst, und darüber niedergeschlagen bist; so siehe auf den für dich betenden Heiland, der dich beständig beim Vater vertrit. Joh. 14, 17, cap. 17. Was kan dir da fehlen? Wirst du beunruhiget; so siehe Christum an, der dein friede ist. Eph. 2, 14. der dir seinen frieden gelassen, als Er gen himmel fuhr, und dirs zu wiederholten malen eingebunden hat, daß du dich gar im geringsten nicht (nemlich auf eine sündliche art und so) beunruhigen solst, daß dein trost und dein glaube darunter noth leide. Joh. 14, 1. 27.

Nun sißt Er da auf seinem Throne, nachdem Er an seinem Creuße, das ist, im stande seiner tiefsten erniedrigung alles zu grunde gerichtet hat, was dich verleßen oder kränken kan. Alle deine sünde, noth, unruhe, und anfechtung &c hat Er getragen, und ist hingegangen, dir die stätte zu bereiten.

§. 53.

Du! der du Christum fürs Ein und alles, und dich selbst schlechterdings für gar nichts ansiehest, der du aus Christo dein einziges leben machest, und aller andern gerechtigkeit abgestorben bist; du bist ein wahrer Christ; einer der hochgeliebten, der gnade bei GOtt funden hat, ein liebling des himmels.

Erweise Christo diese einige gefälligkeit für alle seine liebe zu dir: liebe alle seine arme Heiligen und Gemeinen, die geringsten, die schwächsten (des unterschieds der einsichten ungeachtet) sie sind Ihm in sein herz gegraben, wie die name der kinder Israel in Aarons brustschildlein. Exod. 28, 21. So laß sie denn auch in dein herz geschrieben sein.

Wünsche Jerusalem glük. Es müsse wohl gehen denen, die dich lieben! Ps. 122. 6.

E N D E.

Hoch